Im Rahmen einer Forschungsreise durch das heimische Westfalen hat Dr. Stefan Goebel am 14. September auch am Augustinianum Halt gemacht. Hier sprach der an der Universität im britischen Kent lehrende Historiker vor diversen Geschichtskursen über das weite Feld der europäischen Erinnerungskultur. Diese sei unterschiedlich ausgeprägt: Während bei uns NS und Holocaust in der Wahrnehmung dominierten, würde etwa in Frankreich oder Belgien besonders dem 1. Weltkrieg gedacht, dem „Grande Guerre“. Beispielhaft überraschte Goebel die Zuhörenden damit, dass im zu Westflandern gehörenden Ypern jeden Abend der Opfer des Krieges mit einer Zeremonie gedacht werde.
Im Folgenden fokussierte sich der seit vielen Jahren in England lebende Wissenschaftler auf den Langemarck-Mythos und dessen Funktion innerhalb des Nationalsozialismus. In unserer Gegenwart heute bilde sich der Umgang mit der Vergangenheit etwa in Diskussionen um Straßenschilder ab, wie jüngst in Münster – neben der Langemarckstraße ging es dort etwa um die Skagerrakstraße oder die Admiral-Scheer-Straße, die letztlich nach einem Entscheid der Bürger*innen ihren Namen behielten.
Goebel gelang es, die Jugendlichen für einen Gegenstand zu interessieren, der die Aktualität von Geschichte und ihre Auswirkungen auf unser heutiges Miteinander veranschaulicht. Er selbst plädierte schließlich dafür, die Perspektive von außen in die meist innerstädtischen Debatten über Umbenennungen zu integrieren – so sei die heutige belgische Kommune Langemark offen für Austausch über den Umgang mit ihrem Namen.